Mit Intensivtherapie endlich weg vom Alkohol!

Die Schön Klinik Bad Arolsen bietet eine neu konzipierte Therapie für Alkoholiker an.

Thomas Gärtner

Chefarzt für Psychosomatik an der Schön Klinik Bad Arolsen

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Alkoholismus in Deutschland weit verbreitet, aber zu selten und zu spät behandelt 

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Etwa 1,9 Mio. Menschen in Deutschland gelten als alkoholabhängig. Bei weiteren 1,2 Mio. besteht ein Alkoholmissbrauch, was bedeutet, dass schon erhebliche soziale Folgen eingetreten sind. Alkoholbezogene Störungen gehören zu den häufigsten psychischen Störungen überhaupt. Bei Männern liegen sie sogar – nach Angststörungen und noch vor Depressionen – auf Platz 2 [1].
Dabei nimmt nicht einmal jeder Fünfte eine spezifische Behandlung in Anspruch. Das Tückische an der Alkoholsucht: Die Abhängigkeit entwickelt sich schleichend und wird oft lange verdrängt, sowohl vom Betroffenen als auch von der Umgebung. So dauert es im Schnitt über zehn Jahre, bis eine Suchtbehandlung begonnen wird. Zu diesem Zeitpunkt sind aber meist schon erhebliche körperliche und soziale Folgen eingetreten. Dabei ist die Prognose umso besser, je früher mit Therapie begonnen wird [2].

Unsere Idee einer erfolgreichen Alkoholtherapie

In Deutschland sind normalerweise bei der stationären Behandlung die ersten Wochen der Entgiftung in einer psychiatrischen oder internistischen Klinik gewidmet. Im Anschluss erfolgt in einer anderen Einrichtung eine Entwöhnungstherapie, die sich in der Regel über 8 bis 15 Wochen erstreckt [3].
Es gibt aber nicht nur eine Form von Alkoholismus. Vielmehr gibt es ganz unterschiedliche Ausprägungen und Stadien mit sehr individuellen Problemstellungen, aber auch Ressourcen seitens der Betroffenen. Folgerichtig werden differenzierte Therapieangebote gebraucht, die Alternativen oder Ergänzungen zu dem klassischen Behandlungsweg beinhalten.

Wir in der Schön Klinik Bad Arolsen haben hier eine neue stationäre Intensivtherapie konzipiert: In nur drei Wochen wird neben der Entgiftung so früh wie möglich auch an der Fähigkeit zur langfristigen Abstinenz gearbeitet.
Dabei wenden erfahrene Suchtmediziner und -therapeuten die Therapiemethoden an, die wir auch bei anderen psychosomatischen Erkrankungen seit Jahrzehnten sehr erfolgreich durchführen. Wir ergänzen diese durch suchtspezifische Verfahren. Ich selbst habe vor meinem Wechsel in die Schön Klinik jahrelang einen großen Klinikbereich für Abhängigkeitserkrankungen geleitet.

Für wen ist unser Angebot geeignet?

Unser Angebot richtet sich an Menschen,

  • die festgestellt haben, dass sie ihren Alkoholkonsum nicht mehr so unter Kontrolle haben, wie sie es gerne möchten und dies verändern wollen,
  • die wenig Zeit haben oder für die aus anderen Gründen der „klassische Weg“ nicht in Frage kommt.

Aufgrund der Besonderheiten unserer Intensivtherapie ist diese in erster Linie geeignet, wenn…

  • (noch) keine ausgeprägten kognitiven Einschränkungen bestehen oder sich voraussichtlich im Entzug entwickeln werden,
  • aufgrund des chronischen Alkoholkonsums oder wegen der Schwere des Entzugs (noch) keine sehr starken körperlichen Einschränkungen vorliegen,
  • (noch) keine massiven sozialen Komplikationen (z.B. Langzeitarbeitslosigkeit, Überschuldung, Wohnungslosigkeit) eingetreten sind.

Um festzustellen, ob Interessierte von unserer Behandlung profitieren können, findet im Vorfeld ein Beratungsgespräch am Telefon oder vor Ort statt.

Ablauf der Therapie

  1. Baustein: Entgiftung

Diese geschieht mit regelmäßigen Messungen der Stärke des Entzugs. Vom Ergebnis wird abhängig gemacht, ob und in welcher Dosierung Medikamente nötig sind, immer getreu dem Motto „so wenig wie möglich, so viel wie nötig“. Durch die Anwendung von Akupunktur und Entspannungsverfahren kann bei einem Großteil der Patienten ganz auf Medikamente verzichtet werden.

  1. Baustein: Festigung der Motivation

Wichtig ist der Aufbau bzw. die Festigung einer dauerhaften Motivation, mit dem Trinken aufzuhören. Das heißt, Betroffene wollen nicht mehr nur die Folgen (z.B. den Führerscheinverlust oder den Partnerschaftskonflikt) vermeiden, sondern entscheiden sich, den Alkoholkonsum dauerhaft zu beenden.

  1. Baustein: Aufbau von Abstinenzfähigkeit

Hier zielen verschiedene Therapiebausteine darauf ab, eine dauerhafte Abstinenzfähigkeit zu erreichen und Rückfälle zu vermeiden. Patienten lernen, mit dem teilweise sehr quälenden Alkoholverlangen umzugehen oder kritische Situationen zu erkennen und Verführungen zu widerstehen. Außerdem geht es darum, sich des hochautomatisierten Verhaltens bewusst zu werden, das im „Suchtgedächtnis abgespeichert“ ist und immer wieder zum Weitertrinken bzw. zu Rückfällen führt. So gelingt es,  das schädliche automatisierte Verhalten durch Einüben funktionalerer Muster zu „überschreiben“.
Bestehen weitere psychische Störungen, zum Beispiel Angst oder Depression, werden diese mitberücksichtigt. In der Psychotherapie werden insbesondere alkoholbezogene schädliche Denk- und Verhaltensmuster identifiziert und angepasst. Auch die Konfrontation mit Alkohol oder kritischen Rückfallsituationen werden „live“ oder in der „Virtual Reality“ durchgeführt. Der Rückfallprävention dienen außerdem achtsamkeitsbasierte Therapie, Biofeedback, Alkoholablehnungstraining und computergestützte Alkoholvermeidungstraining, ebenso wie Ernährungs- und Genusstherapie, Sport- und Bewegungstherapie, Kunsttherapie und Cinematherapie.

Masterplan für die Zeit nach der stationären Therapie

Auch wenn Abstinenz das primäre Ziel ist und in vielen Fällen bereits im ersten Anlauf erreicht werden kann, spielt bei uns auch das Verhalten bei einem möglichen Rückfall eine wichtige Rolle. Mit den im Vorfeld besprochenen Gegenmaßnahmen kann der Patient einen Rückfall im Fall der Fälle schnell wieder beenden. Zudem bereiten wir die Phase nach dem Klinikaufenthalt sorgfältig vor und erstellen ein individuelles Nachsorgeprogramm. Das ist enorm wichtig, denn es trägt maßgeblich dazu bei, dass gewonnene Erkenntnisse und neue Verhaltensweisen in den Alltag Eingang finden.

 

Mehr zur Intensivtherapie Alkohol finden Sie übrigens hier.

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