Beschleunigt Instagram die Entstehung von Essstörungen?

Eine aktuelle Studie zeigt: Perfekte Bilder setzen Mädchen und Frauen unter Druck.

Perfekt inszenierte Fotostrecken von superfitten, superschönen Menschen – dafür ist Instagram bekannt. Und wer nicht über den perfekten Körper verfügt, kann sich mit den Filterfunktionen der App schlanker, schöner und attraktiver machen. Die Anzahl der Herzen zeigt, wie sehr das Foto anderen gefällt. Aber was, wenn man sich selbst trotz der Filter nicht schön genug findet oder die Likes nicht den Erwartungen entsprechen? Dann muss der Bauch eben real dünner und die Muskeln straffer werden: Mit Diät und exzessivem Training. Vorbilder wie Lena Gercke oder Anne Kissner (Bodykiss) machen´s vor, es ist also machbar. Oder?

Wie sehr beeinflusst Instagram tatsächlich Mädchen und Frauen in ihrem Essverhalten?

Das wollte Dr. Maya Götz, Leiterin der Studie am Internationalen Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen, herausfinden. Prof. Dr. Eva Wunderer von der Universität Landshut hat die Studie wissenschaftlich begleitet. Für die Durchführung der Studie kooperierten zudem der Bundesfachverband Essstörungen (BFE) und die Schön Klinik.

Dr. Götz und Prof. Dr. Wunderer befragten insgesamt 143 Menschen, darunter 138 Frauen, die zum Zeitpunkt der Studie wegen einer Essstörung behandelt wurden. Die Teilnehmerinnen wurden unter anderem befragt, welche Berühmtheiten oder Influencer sie bei der Entwicklung ihrer Essstörung beeinflussten. Das Ergebnis: Insta-Kanäle von Models wie Heidi Klum oder Lena Gercke auf Instagram trugen bei ihnen dazu bei, dass sie ihren eigenen Körper übermäßig kritisch und ablehnend beurteilten.

Sind Models und Influencerinnen schuld an der Entstehung von Essstörungen?

Auch wenn die Teilnehmerinnen der Studie sagen, dass die Fotos auf Instagram sie beeinflussen: Man kann kaum den Models die Schuld geben, wenn ihre Follower eine Essstörung entwickeln, dazu sind Essstörungen als psychosomatische Erkrankung zu komplex. Prof. Dr. Eva Wunderer betont: „Influencerinnen haben eine starke Wirkung auf junge Menschen. Sie müssen sich dieser Verantwortung bewusst sein. Was viele Klicks erzeugt, ist nicht zwangsläufig auch gut für die Followerinnen und Follower.“

Es geht auch anders: Mit Body Positivity und Diversity

Der Einfluss von Instagram kann genauso gut positiv erfolgen – etwa mit Influencerinnen wie Fine Bauer, die Body Positivity propagieren. Sie stellen ihren normalgewichtigen Körper mit (vermeintlichen) Makeln in Szene und wirken attraktiv. Sie zeigen damit, dass es viele Formen der Schönheit gibt.

Fazit

  • Psychotherapeuten sollten den Einfluss von Social Media – nicht nur von Instagram – nicht unterschätzen und ihre Patientinnen nach deren Mediennutzung fragen.
  • Influencer sollten sich ihrer Verantwortung gegenüber ihren Followern bewusst sein und keine übertriebenen Schönheitsideale als „real“ propagieren. Eine Kennzeichnung der bearbeiteten Bilder wäre hier ein möglicher erster Schritt.
  • Mädchen und Frauen sollten sich bewusst sein, dass gerade in Social Media vieles mehr Schein als Sein ist. Die Förderung von Medienkompetenz in Schule und Elternhaus ist wichtig.

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